TAZABO

Das Tagebuch eines Familienausfluges nach
Tanzania, Zambia, Zimbabwe, Botswana und Zanzibar.

Teilnehmer: Johanna Herzog, Christoph Schager, Peter Marti, Otto Marti
und die "Einheimischen" Heidi und Herbert Würsch.
Verfasser:   Otto Marti

 

 

 

Donnerstag,
20. August 2015:
Flug nach Dar es Salaam

Die Swiss fliegt uns komfortabel und zuverlässig über Nairobi nach Dar es Salaam. Das Hotel ist gut, die Gegend eher nicht. Der Hunger treibt uns trotzdem auf die Strasse. Es ist stockdunkel, nirgends Licht, keine Passanten, nur die staubige Strasse. Dunkle Gestalten mit Kalaschnikows machen uns eher Angst als dass sie Sicherheit ausstrahlen. Wir verzichten auf das Nachtessen und gehen zu Bett.

 
 Freitag,
21. August 2015:
Warten auf den Zug, Im Zug

Um 12.00 stehen wir, wie verlangt, 2 Stunden vor Abfahrt des Zuges, am Bahnhof des TAZARA (Tanzania Zambia Railways). Um 18.00 Uhr fährt der Zug mit 6 Stunden Verspätung endlich los. Wir sind endgültig in Afrika angekommen! Das 1.Class Sleeper Abteil ist ganz o.k. aber der ganze Zug ruckelt, holpert und quietscht bedrohlich durch die Nacht. Wir Männer gehen etwas Essen, Johanna bewacht derweil das Abteil. In der finsteren Zugsküche wird am offenen Feuer gekocht, der Fisch ist trotzdem ganz gut.

 
Samstag,
22. August 2015:
Im Zug

Heute Morgen ist mir kotzübel und ich erbreche mich mehrmals. Ist es das Gerumpel des Zuges, die Malariatablette oder doch der Fisch von gestern Abend? Die Gegend ist interessant und wird immer hügliger. Bald erreichen wir mit 1‘790 m die höchste Stelle der Strecke. Die einzige Lokomotive leistet trotz Schneckentempo Höchstarbeit. An jedem Bahnhof werden von fliegenden Händlern und Kindern Früchte angeboten. Am Abend erwischt es Peter, er erbricht sich unterwegs zum Nachtessen, in aller Öffentlichkeit. Auch Christoph kränkelt. Das schwache Geschlecht ist das Starke, nur Johanna ist nach wie vor quicklebendig.

 
Sonntag,
23. August 2015:
Im Zug

An der Grenze zu Sambia geht gar nichts mehr. Irgendwie versuchen sie, die zu Lokomotive wechseln. Bei jedem Kupplungsversuch geht es wie ein Erdbeben durch den ganzen Zug. Wir verbringen eine gratis Zusatznacht im Zug. Uns geht es wieder besser.

 
Montag,
24. August 2015:

Im Zug, Fahrt nach Mishikishi, nach Ndola
Mit total 18 Stunden Verspätung erreichen wir vor dem Mittag Kapiri Mphosi. Dank Sambia Handy erwarten uns Heidi und Herbert bereits. Für die 1‘900 km haben wir 3 Tage/3 Nachte gebraucht und das alles für 45 US$ - da wird für’s Geld etwas geboten!
Mit dem Toyota nach Mishikishi ist eine Wohltat. Um Mishikishi zu erreichen müssen wir mit dem Auto von der Teerstrasse auf die Naturstrasse heruntergumpen (30 cm mindestens) Herbert macht das souverän. Hinter einer Mauer: das Haus, gross, in einem gepflegten Garten, hier fühlen wir uns sofort wohl.
Am Nachmittag fahren wir mit Herbert nach Ndola. Er bringt Papayas zum Verkauf und holt bei einem Händler 60 Küken. An die ständigen Polizeikontrollen unterwegs müssen wir uns zuerst noch gewöhnen.

 
Dienstag,
25. August 2015:

Mishikishi, Betriebsführung
Die Farm ist gross, weitläufig. Auf 40 ha werden Mais und Soja (Grundnahrungsmittel) angepflanzt. Der Boden bringt nicht viel, im Moment streuen Herberts Mitarbeiter 30 to Kalk um die Situation etwas zu verbessern. Die 120 Hühner und 80 Schweine haben noch nie etwas von Käfigtierhaltung gehört. Die angegliederte Schlosserei und eine Schreinerei funktionieren offensichtlich dank der Improvisationskunst der entsprechenden Mitarbeiter.

 
Mittwoch,
26. August 2015:

Mishikishi , Ausflug zum Stausee
Wir spazieren zum nahen Stausee. Im Busch stehen immer wieder Lehmhütten gebaut mit Material von Termitenhügeln die überall vorhanden sind.  Das Material soll eine grosse Festigkeit besitzen und so stabile Häuser ermöglichen. Gedeckt wird das Haus mit Stroh oder Blech. Am See ist eine Frau am Wäsche waschen und einige Jungen sind am Fischen.

 
Donnerstag,
27. August 2015:

Mishikishi , Grossfarm und Lodge
Wir fahren zu einer Grossfarm in der Nähe. Herbert kauft dort Futtermittel für die Schweine und Hühner ein. Auf dem Rückweg wieder einmal Teerstrasse, die zahlreichen LKW fahren Slalom um den bis zu 20 cm tiefen Löchern einigermassen auszuweichen. Schritttempo!

 
Freitag,
28. August 2015:

Mit Bus nach Lusaka, Backpackers
Herbert und Heidi bringen uns nach Ndola. Nur noch zu viert, fahren wir mit dem Bus in knapp 4 Stunden nach Lusaka.
Im Backpackers treffen wir Ueli: Er kommt aus Luzern. Ist Medizinstudent im letzten Semester. Sein Praktikum ganz im Norden Sambias hat er gestern abgeschlossen. Sein Bus hat 17 Stunden bis nach Lusaka gebraucht. Jetzt hofft er auf einen komfortablen Flug nach Hause.

 
Samstag,
29. August 2015:

Flug nach Mfuwe, Flatdogs Camp
Frühmorgens mit dem Flugzeug nach Mfuwe. In 1-stündiger Fahrt bringt uns das Safari-Fahrzeug in das Flatdogs Camp am Rande des South Luangwa National Park. An der Reception empfängt uns ein mächtiger Elefant. Er hält nichts von Parkgrenzen. Der Fahrer scheucht uns wieder aufs Auto. Elefanten sind wilde Tiere und hier ist Wildnis, kein Streichelzoo, ermahnt er uns.
Das Camp ist komfortabel, die Zelte mit Dusche/WC ausgerüstet. Jeden Tag gibt es zwei Pirschfahrten: Morgenpirsch von 6.00 bis 10.00, die Abendpirsch von 16.00 bis 20.00 Uhr.
Selbstverständlich gehen wir gleich auf die Abendpirsch. Nach einer ½ Stunde treffen wir bereits auf die ersten Löwen. Vollgefressen sonnen sie sich in der Abendsonne, wir sind ihnen egal. Um 18.00 ist es bereits finster, bis jetzt haben wir schon das volle Programm bewundert: jede Menge Hippos (Flusspferde), Elefanten, Giraffen, Krokodile, hunderte Impalas und andere Antilopenarten, Zebras, etc. Plötzlich haben wir ein Rudel von 9 Löwen im Lichtkegel unseres Lightman. Sie nehmen kaum Notiz von uns und marschieren in Einer-Kolone unbeirrt vor unserem Fahrzeug her. Weiter vor uns rennt ein Koloss von Hippo in Todesangst um sein Leben. Jetzt formieren sich die Löwen zur Pirsch. Sie schwärmen aus und in Linie verschwinden sie in der dunklen Nacht. Jetzt möchten wir ihnen nicht mehr in die Quere kommen!

 
Sonntag,
30. August 2015:

Flatdogs Camp
Um 6.00 sind wir zur Pirsch bereit. Wir vier sind allein mit dem Fahrer. Höhepunkt des Morgens sind die Leoparden. Zuerst zwei die faul im Gebüsch liegen. Später einer auf einem Baum. Er fühlt sich von uns gestört, kommt kopfvoran am Stamm runter und verschwindet im Gebüsch.
Über Mittag geniessen wir die ausgezeichnete Küche im Camp. Fünf Elefanten stapfen durch den angrenzenden Fluss Luangwa und marschieren mitten durch das Camp. Einer will es genau wissen, er stapft 1,5 m vor unserem Zelt durch. Peter schliesst vorsichtshalber den Reissverschluss des Zelteingangs.

 
Montag,
31. August 2015:

Flatdogs Camp, Lusaka
Die Morgenpirsch ist wieder ein voller Erfolg. Wir treffen alles an was in der Tierwelt Rang und Namen hat. Flatdogs Camp ist ein Volltreffer.
Am Abend fliegen wir nach Lusaka zurück. Im Backpackers sind inzwischen auch Heidi und Herbert aus Mishikishi eingetroffen.

 
Dienstag,
1. September 2015:
 

Mit dem Bus nach Livingstone, Jollyboys Backpackers
Zu sechst geht es nun mit dem Bus weiter nach Livingstone. Nach gut 6 Stunden erreichen wir das Jollyboys Backpackers. Alle wollen Kwachas. Wir suchen einen ATM (Geldautomat). Der clevere Christoph findet beim Versuch sein Geld auf der Strasse zu wechseln, seinen Meister. Sie drehen ihm eine gefälschte 100 US$ Note an. Das Abendessen in einem einheimischen Restaurant schmeckt trotzdem gut.
Strom gibt es heute Abend übrigens keinen. Das ist in Sambia so üblich. Weil es zu wenig Strom hat, wird einfach wechselweise irgendwo abgeschaltet. Hier gibt es sogar einen Wochenplan der „Power Cuts“. Allerdings darf man den nur als gutgemeinte Absichtserklärung des EW betrachten.

 
Mittwoch,
2. September 2015:

Livingstone, Victoria Falls Backpackers
Per Taxi fahren wir an die Grenze. Nach dem üblichen Formularkrieg marschieren wir zu Fuss über die Victoria Falls Bridge. Auf der Zimbabwe Seite wieder Papierkrieg. Gegen einen Obolus von 45 US$ erhalten wir die Einreisevisa. Auf der Strasse will man uns Zimbabwe-Dollars andrehen. Doch die taugen mit ihren vielen Nullen höchstens noch als Ferien-Souvenir. Als Zahlungsmittel werden nur (echte) US$ Dollar akzeptiert.
Das Victoria Falls Backpackers ist etwas in die Jahre gekommen aber mit viel Liebe eingerichtet.
Und dann die Victoria Fälle. Eines der sieben Weltwunder! An der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe stürzt sich der Sambesi über eine Breite von 1700 Metern mit gewaltigem Getöse in eine gigantische Schlucht. Leider mit etwas wenig Wasser, wie sich Heidi und Herbert entschuldigen. Aber für die miese Regenzeit können die zwei Einheimischen ja auch nichts. Trotz allem, imposant!
Nachtessen bei „Mama Africa“, Essen und Ambiente sind Klasse!

 
Donnerstag,
3. September 2015:

Tag 1 - Camping Safari / Zimbabwe - Chobe NP Botswana
Simon holt uns Frühmorgens ab und wir fahren in 2 Stunden an die Grenze zu Botswana. Nachdem alle ganz brav durch das Seuchenbad geschlurft sind, dürfen wir definitiv in Botswana einmarschieren.
Moskaw unser Fahrer/Guide und Lesh der Koch erwarten uns bereits. Wir fahren nach Kasane zum Einkaufen. Moskaw diktiert uns 72 Liter Wasser auf die Einkaufsliste.
Der Chobe Nationalpark empfängt uns mit hunderten von Elefanten und einigen Löwen.
Am Abend demonstrieren Moskaw und Lesh den Begriff „Budget Safari“: Zelte selber aufstellen, Feuer machen, Abwaschen und abtrocknen ist Pflicht! Auch der Tagesbefehl für die nächsten Tage ist nicht ohne: Tagwache um 5.00 Uhr / Morgenessen / Zelte abräumen / Küche versorgen / Abfahrt 6.30 Uhr. Da war früher der Militärdienst ein richtiges Sonntagsschullager dagegen.

 
Freitag,
4. September 2015:

Tag 2 - Camping Safari / Chobe - Savuti NP
Den ganzen Tag fahren wir dem wasserspendenden Chobe entlang. Elefanten soweit das Auge reicht. Und immer wieder Löwen, Wasserbüffel, Giraffen zum Greifen nahe.
Am Abend schlagen wir das Lager mitten im Wald auf. Moskaw erklärt, dass es hier Löwen, Hippos und Hyänen gebe und wir darum in der Nacht vorsichtig sein sollen. Beruhigend! Zum Trost bastelt er uns eine heissbegehrte, improvisierte Dusche.
In der Küche übernimmt Johanna das Kommando. Lesh ist zwar ein lieber Kerl und guter Koch, aber mit der Sauberkeit hat er es nicht so. Johanna versucht mit Kommandieren, Vormachen und Charme etwas zu verändern. Doch Lesh ist eine harte Nuss.

 
Samstag,
5. September 2015:

Tag 3 - Camping Safari / Moremi Game Reserve
Bereits am frühen Morgen begegnen wir zwölf Löwen, die uns in der Nacht glücklicherweise verschmäht haben. Im sandigen Boden bleibt ein Inder mit seinem Wagen mitten in einem Löwenrudel stecken. Moskaw fährt ungerührt mit Vollgas vorbei. Wenn wir da anhalten, bleiben wir mit unserem schweren Küchenanhänger mit Sicherheit auch stecken.
Am Nachmittag ist die Transferfahrt ins Moremi Game Reserve. Es holpert und staubt gewaltig. Mir ist nicht klar, warum an unserem Toyota immer noch nichts abgefallen ist.
Wir Zelten idyllisch am Fluss, hier sollen wir in der Nacht speziell auf Krokodile, Elefanten und Hyänen aufpassen. Auf der Abendpirsch eine Begegnung mit Wild Dogs: Ein Rudel von ca. 20 Dogs ist auf der Pirsch. Nach Moskaw sind die auch hier eher selten. Dazu wieder Löwen, Elefanten, Hippos, Krokodile.
Moskaw ist richtig stolz: In 3 Tagen haben wir total 36 Löwen aus nächster Nähe gesehen – das sei Jahresrekord.

 
Sonntag,
6. September 2015:

Tag 4 - Camping Safari / Moremi – Maun
Auf der Morgenpirsch, in einer wunderschönen Landschaft, gibt es Löwe Nr. 37. Er bewacht einen toten Elefanten. Mindestens 50 Aasgeier warten ungeduldig bis sie zum Zuge kommen. Später begegnen wir wieder den Wild Dogs.
Auf dem Transfer nach Maun staubt und holpert es wieder gewaltig. Auf dem grosszügigen Zeltplatz hat es Duschen und Schwimmbad. Christoph spannt wieder seine Wäscheleine. Das Signal für eine allgemeine Grosswäsche.
Wir begegnen den Meiers aus dem Aargau: Seit drei Monaten sind sie mit ihrem selber umgebauten 4x4 Campingbus in Afrika unterwegs. Weil immer noch alles Bestens funktioniert, wollen sie noch weitere drei Monate bleiben.

 
Montag,
7. September 2015:

Tag 5 - Camping Safari / Maun - Okavango Delta – Maun
Diese einzigartige Verbindung von Wassermassen und Sandland- bzw. Savannenlandschaft der Kalahari haben eine Vielfalt an Flora und Fauna hervorgebracht, die das Delta zu einem der großen Naturparadiese dieser Welt macht. Ca. 1/3 des Deltas ist naturgeschützt. z. B. durch das Moremi Wildlife Reserve, welches das älteste Naturreservat Botswanas ist.
Nahezu das gesamte Spektrum der Tierwelt des südlichen Afrikas ist hier zu Hause und in kürzester Zeit zu beobachten, selbst die seltenen Nashörner sind wieder anzutreffen. Das traditionelle Transportmittel im Delta ist das Mokoro, ein Einbaum, der von Polern (Bootsmann) gestakt wird.
So spannend wie der Werbetext wird es dann doch nicht. Die Polerfrau auf unserem Boot redet und redet in einer Sprache die niemand versteht. Wie nur, kann sie aufgehalten werden? Bei der anschliessenden Walking-Safari weiss die gute Frau nichts mit uns anzufangen. Dazu regnet es auch noch leicht. Der erste endtäuschende Safari Tag beschliessen wir bei einem Bier auf dem Campingplatz.

 
Dienstag,
8. September 2015:

Tag 6 - Camping Safari / Maun – Makgadikgadi Pans
Auf dem Weg zu den Makgadikgadi Pans fressen wir 300 Kilometer.
Unterwegs besuchen wir Chapans Tree, der angeblich zweitgrösste Baum Botswanas. Stammumfang 25 m und 4‘000 bis 6‘000 Jahre alt. Na dann, alles Gute für die Zukunft.
Mit 12 000 km² Fläche sind die Makgadikagadi Pans die größten zusammenhängenden Salzpfannen der Welt, gebildet aus zwei Hauptpfannen und Tausenden kleinerer Pfannen.
Moskaw findet in dieser Mondlandschaft eine kleine Insel. Ein Hügelchen von ca. 30 m Durchmesser. Hier will er unbedingt übernachten. Kein Baum, kein Strauch. Es ist nur heiss! Der spinnt doch, der Moskaw!
Spätestens beim Sonnenuntergang wissen wir was Moskaw meint. Der Sonnenuntergang ist phänomenal! In der Nacht ist der Sternenhimmel so nahe - da mag niemand ins Zelt gehen. Irgendwie sind wir nicht mehr von / auf dieser Welt.

 
Mittwoch,
9. September 2015:

Tag 7 - Camping Safari / Makgadikgadi Pans – Victoria Falls
Wieder 300 km Transfer (im offenen Toyota) nach Kasane und von dort an die Grenze zu Zimbabwe. Simon erwartet uns bereits und fährt uns über Victoria Falls bis an die Brücke nach Sambia. In 7 Tagen haben wir 1‘200 km zurückgelegt, davon 800 km auf unbefestigten 4x4 Strecken.
Zu Fuss zurück nach Zambia und mit dem Taxi nach Livingstone. Das Jollyboys empfängt uns mit der heiss ersehnten Dusche. Die ist zwar kalt, aber das ist jetzt egal. Auch Strom gibt es wieder einmal nicht.

 
Donnerstag,
10. September 2015:
 

Livingstone
Weil die Sambia Seite der Victoria Fälle im Moment fast kein Wasser führt, verzichten wir auf den Besuch und haben heute frei. Wir besuchen die Altstadt und den lokalen Markt. Hier kannst Du alle Schuhe wieder kaufen, die Du in den letzten Jahren in die Altkleider-Sammlung gegeben hast.
Wir treffen Karsten: Karsten ist 63, kommt aus Berlin und ist frühpensioniert. Seit zwei Jahren ist er mit seinem Motorrad unterwegs. In fünf Jahren will er es um die Welt geschafft haben. Er und sein Töff sehen aber schon jetzt aus, als hätten sie die Strecke bereits zweimal hinter sich.

 
Freitag,
11. September 2015:
 

Livingstone - Lusaka
Wir buchen einen Game Drive im Mosi-Oa-Tunya Games Park. Dort sollen sich 8 der 10 in Sambia lebenden Nashörner befinden. Sie zu finden ist nicht schwierig. Aus Angst vor Wilderer werden sie Tag und Nacht vom Militär bewacht. Damit sie nicht weglaufen, werden sie gefüttert und fast wie in einem Zoo gehalten. Zu Fuss zu den imposanten Tieren ist trotzdem spannend.
Am Abend fliegen wir nach Lusaka zurück. Im Backpackers treffen wir Lukas: Lukas, ein junger Schweizer aus der Innerschweiz. Er hat es in 3 Monaten von Kairo über Uganda, Tansania, Kongo bis nach Lusaka geschafft. Im Kongo schwer an Malaria erkrankt, will er jetzt nur noch nach Hause.

 
Samstag,
12. September 2015:

Tag 1 Canoe Tour Zambezi
Frühmorgens fahren wir in vier Stunden nach Chirundu. Chirundu ist das Grenzdorf bei der Brücke über den Zambezi die nach Zimbabwe führt. Chirundu ist hässlich, voll Staub, Schlaglöcher und Lastwagen. Die LKW warten hier oft tagelang auf ihre Papiere zum Grenzübertritt. Trostlos!
Wir holpern weiter in die Breeze Lodge.
Martin unser Kanu Guide für die nächsten drei Tage erwartet uns bereits. Auf dem Sambesi bläst im Moment ein starker Gegenwind und Martin will darum noch nicht starten. Darum kredenzt er, halb im Busch, zuerst ein improvisiertes Mittagessen. Auf die Frage von Heidi, ob es den hier keine Schlangen gebe, verneint Martin. Als Herbert die leeren Flaschen in die Lodge zurückbringt, läuft im eine 2 m Schlage direkt über den Weg!
Martin macht eine kurze theoretische Einführung in Canoeing: Keine Körperteile ins Wasser halten wegen den Krokodilen, die Hippos möglichst mit Abstand umfahren und paddeln, paddeln. Er fragt nach unserer Kanuerfahrung. Da ist Null - Martin verzieht keine Miene. Die Kanus werden immer schwerer; Zelte, Küchengeräte, Lebensmittel für drei Tage, alles muss rein.
Um 15.00 Uhr starten wir endlich. Der Wind hat allerdings nicht nachgelassen. Es ist offensichtlich der letzte Termin um überhaupt noch wegzukommen. Unsere fehlende Erfahrung zeigt sich sofort; wir fahren rückwärts, Zick-Zack, nur nicht geradeaus. Mit der Zeit geht es etwas besser. Auf einer Sandbank begrüsst uns ein freundlicher Elefant. Jetzt kommen die ersten Hippos. Martin schlägt mit dem Paddel immer wieder auf den Rand des Kanus – und überall tauchen in bedrohlicher Nähe die bis 4,5 Tonnen schweren Kolosse auf. Oft sieht man nur ihre drolligen Kulleraugen und die Ohren aus dem Wasser ragen. Sieht ganz harmlos aus! Wir haben nur noch Angst. Unsere Steuerkünste sind auch nicht viel besser geworden. Oft geraten wir in gefährliche Nähe dieser Biester. Guide Martin scheint nun auch unruhig zu werden. Er scheucht uns immer wieder aus den Gefahrenbereichen.
Die ganze Situation überträgt sich auf die einzelnen Kanus. Diskussionen von Vorder- zu Hintermann und umgekehrt werden immer häufiger und giftiger. Die ersten Ehekrisen bahnen sich an. Das Ganze verbessert unsere Steuerkünste auch nicht wirklich. Und – der Wind ist immer noch gegen uns.
Es dämmert bereits und Martin hat sich eine kleine Insel mitten im Fluss zum Übernachten ausgesucht. Auf die Frage nach Krokodilen weicht er aus: die würden maximal 8 m vom Wasser weggehen. Vorsichtshalber schlagen wir unser Camp 10 m vom Wasser auf! Wir sind todmüde.

 
Sonntag,
13. September 2015:

Tag 2 Canoe Tour Zambezi
Um 5 Uhr ist Tagwache. Um uns einen dritten Tag auf dem Wasser zu ersparen, will Martin heute den ganzen Rest der Streck bewältigen. Der Wind hat leicht nachgelassen. Wir sind wieder fit. Nur unsere Steuerkünste haben sich über Nacht nicht markant verbessert. Martin bekommt jedes Mal die Krise, wenn wieder ein Kanu in die Uferböschung knallt und ein Krokodil verschreckt ins Wasser gleitet.
Die Flusslandschaft als Grenze zwischen Sambia und Zimbabwe ist wunderschön, nur - geniessen sollte man sie können. Eindrücklich: ich habe noch nie im Leben so viele Hippos gesehen.
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir am Ziel. Zelt aufstellen, Essen geht wie in Trance, so kaputt sind wir. Um 20.00 Uhr sind alle im Schlafsack.

 
Montag,
14. September 2015:

Tag 3 Canoe Tour Zambezi
Wir ziehen Bilanz: 48 km Kanufahrt auf dem Sambesi mit ständigen Gegenwind – geschafft. Alle heil angekommen – geschafft! Alle Ehen ganz geblieben – geschafft! Wer würde die Tour noch einmal machen - niemand! Wer ist stolz, die Tour gemacht zu haben – alle!
Der Fahrer zum Flugplatz ist erschienen. Die Fahrt ist abenteuerlich, es geht rauf und runter, durch Flussbette und Gebüsch. 10 Minuten vor Abflugzeit ist weit und breit noch keine Piste in Sicht. Wir sind nervös. Plötzlich der Royal Airstrip. Der Pilot erwartet uns persönlich, Tickets will er keine sehen. Er gibt Vollgas zum Starten und bricht abrupt wieder ab. Durch das Cockpitfenster sehen wir zwei Elefanten gemütlich über die Piste schlendern.
In Lusaka Backpackers holen wir den Rest unseres Gepäckes und machen uns wieder auf den Weg zum Flughafen.

 
Dienstag,
15. September 2015:

Flug Nairobi / Stone Town, Zanzibar
Pünktlich um 0.50 Uhr geht der Flug nach Nairobi/Zanzibar. Um 9.30 Uhr landen wir in Stone Town. Es regnet.
Das historische Zanzibar Coffee House ist in den engen Gassen nur zu Fuss erreichbar, hat 8 Zimmer auf drei Etagen und ist eine Wucht. Die Zimmer verbinden den Charme alter Zeiten und antike Elemente mit modernen Annehmlichkeiten.
Stone Town ist die Altstadt von Zanzibar City, UNESCO Weltkulturerbe und ziemlich faszinierend. In den engen Gassen hat es kein Platz für Autos, dafür pulsiert das Leben. Jeder versucht den zahlreichen Touristen irgendetwas anzudrehen. Und auch die Sonne scheint wieder.

 
Mittwoch,
16. September 2015: 

Stone Town, Zanzibar
Wir besuchen u.a. den ehemaligen Sklavenmarkt. Es ist bedrückend, sich vorzustellen, was Menschen sich gegenseitig antun können. Auf dem Markt wird alles angeboten was man braucht – oder auch nicht. Auf dem Fleischmarkt stinkt es fürchterlich, es ist nicht auszuhalten. Spätestens hier werde ich zum (zeitweisen) Vegetarier.
Christoph steht mindestens eine Stunde am Schalter der Fähre. Weil gerade wieder mal der Strom ausgefallen ist, können sie die Tickets für die Überfahrt vom Samstag nicht ausdrucken.

 
Donnerstag,
17. September 2015:
 

Makuti Beach, Zanzibar
Mit dem Taxi fahren wir an die Ostküste. Die Fahrt dauert eine Stunde und kostet 25 US$. Unsere letzte Bleibe, das Makuti Beach Hotel besteht aus vier Bungalows mit je drei Zimmern und liegt direkt am wunderbaren, weissen Sandstrand. Wir sind die einzigen Gäste. Ebbe und Flut sind sehr ausgeprägt. Bei Ebbe geht es sehr weit bis ins Wasser, bei Flut kommt das Meer fast in die Zimmer. Paje, das nächstes Dorf, erreichen wir zu Fuss über den Strand, in ca. ½ Stunden. Zwei junge Burschen drehen mir und Johanna eine Schnorchel-Fahrt für den nächsten Tag an.

 
 
Freitag,
18. September 2015:

Makuti Beach, Zanzibar
Mit einem uralten Holzkatamaran werden wir frühmorgens mühsam (in einer Stunde) zu dem Korallenriff gestachelt. Johanna ist sofort in ihrem Element und ziemlich begeistert. Ich schlucke vorwiegend Salzwasser und meine Begeisterung für das Schnorcheln hält sich in Grenzen. Ich bin froh, als ich nach drei Stunden endlich wieder den feinen Sandstrand unter den Füssen habe. Das Wetter ist immer noch wunderbar, Luft 35 Grad , Wasser gefühlte 30.

 
Samstag,
19. September 2015:
 

Dar es Salaam – Zürich
Am Mittag holt uns das Taxi ab. Auf dem Weg zur Fähre begegnen wir immer wieder Lastwagen voll feiernden und jubelnden Menschen. In zwei Wochen sind Wahlen auf Zanzibar.
Das moderne Tragflügelboot braucht 2 Stunden nach Dar es Salaam. Das Taxi eine Stunde zum Flughafen. Um 22.20 Uhr hebt der Flieger Richtung Zürich ab.

 
Sonntag,
20. September 2015:

Ankunft Zürich
6.15 Uhr – Hallo Schweiz – da sind wir wieder.

 
 

 

 

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