Oben ist nicht Alles

Chrige und ich hatten ganz schön zu tun an diesem einigermassen schönen Herbsttag in den 70ern. Unser Ziel, die Kingspitz Nordostwand sah super aus, weil menschenleer. Was uns allerdings nicht verwunderte, wir verbrachten die Nacht mutterseelalleine in der Engelhornhütte
Die 20 Seillängen bis zum Gipfel hatten uns einiges (alles) abverlangt. Chrige meinte, fast ein bisschen überfordert.
Trotz zwischenzeitlich leichtem Schneefall, irgendwann nach Mittag haben wir es geschafft, wir sind auf dem Gipfel! Die Mittagspause ist nur kurz, der Himmel überzieht sich immer schneller mit drohend dunklen Wolken. Aus früheren Tagen wissen wir, der Abstieg in die Rosenlaui ist lang und kompliziert und nicht ganz ohne.
Die erste Abseilstelle schaffen wir ohne Problem, Problem ist der Schnee, der immer dichter wird. Und prompt versteigen wir uns. Das suchen nach der richtigen Route braucht Zeit und unsere Nerven. Es wird immer dunkler, der Fels und das Geröll immer rutschiger. Irgendwann müssen wir es uns eingestehen, wir haben uns definitiv verstiegen und in der Dunkelheit weiter zu gehen ist zu gefährlich. Als Biwakieren! Das Problem - wir haben für eine 1-Tagestour gepackt. Immerhin, ein Biwacksack haben wir dabei. Wir machen uns Sorgen, die Angehörigen daheim erwarten uns heute Abend zurück. Die 70er, das ist Vor-Handy Zeit. Kein Telefon, kein Google Maps, keine Karten.
Die Nacht ist lang, kalt und es schneit die ganze Zeit leicht. Aber zu Zweit in einem Biwaksack lässt es sich aushalten.
Dann wird es hell, alles ist "wunderschön" eingeschneit. Wir stellen schnell fest - wir haben ca. 5m neben der normalen Abstiegsroute biwakiert! Schnee hin oder her, bei Sicht ist die Welt eine Andere. Relativ schnell haben wir den Abstieg geschafft und erreichen kurz darauf das Hotel Rosenlaui. Schnell ans Telefon - nach Hause telefonieren. Gerade noch rechtzeitig bevor sie die Rettungsflugwacht alarmieren wollten. Fazit: Nach Oben kann anstrengend werden - aber runterkommen ist oft noch schwieriger.