Zum Start der Wander-Hauptsaison präsentieren unsere Redaktorinnen und Redaktoren ihre Lieblingsroute: Inspirationen für den Ausflug in die Berge.

Weiches Licht, intensive Farben: Wanderungen im Herbst bieten eine unvergleichliche Atmosphäre. Morgendlicher Blick auf das obere Sulsseewli oberhalb der Lobhornhütte. Foto: Jan Peter
Der Herbst ist die ideale Jahreszeit, um sich die Wanderschuhe zu schnüren und die Freizeit in den Bergen zu verbringen. Wenn sich die Blätter langsam verfärben, das weiche Sonnenlicht auf die imposante Landschaft fällt und die Temperaturen für sportliche Aktivitäten ideal sind, ist es im alpinen Gelände am schönsten: sieben Wanderungen, die Sie lange in Erinnerung behalten werden.
Sigriswiler-Rothorn-Panoramaweg

Auf den letzten Höhenmetern vor dem Gipfel muss auch mal gekraxelt werden: Blick auf das Sigriswiler Rothorn (rechte obere Bildecke). Foto: Bruno Petroni
Wer sich dazu überwindet, die 1000 Höhenmeter von der Bus-Endstation in Schwanden auf das Sigriswiler Rothorn in Angriff zu nehmen, kann beruhigt sein: Der Einstieg fällt leicht. Aus dem Dorf heraus steigt der Weg sanft an, vorerst gar auf einer geteerten Strasse, etwas später dann durch ein Waldstück und über Kuhweiden.
Bei der Alphütte Stampf beginnt der eigentliche Rundwanderweg. Der Testwanderer ist hier rechts abgebogen, es liegt aber in der Natur eines Rundwegs, dass er beidseitig begangen werden kann.
Ab der Alp Bodmi steigt der Weg ordentlich steil an, führt über Tritte und Wurzeln, die bei Nässe ziemlich rutschig sein können. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf diesem Abschnitt nötige Grundvoraussetzungen.
Beim Punkt «Berglichäle» sind dann die meisten Höhenmeter geschafft. Ab hier wird das Gelände deutlich flacher, aber auch alpiner und gerölliger. Vom Wegweiser am Rothornfuss an sind es noch etwa 20 Minuten bis auf den Gipfel. Auf diesem Teil der Wanderung kommen beim Kraxeln auch mal die Hände zum Einsatz.
Auf dem Gipfel werde man mit einer umwerfenden Panoramaaussicht belohnt, heisst es auf den Outdoorportalen im Internet. Der Blick schweife über den Thuner- und den Brienzersee, ja gar bis zum Säntis könne man sehen – wenn der Rothorn-Gipfel nicht am Wandertag in dichten Nebel gehüllt gewesen wäre.

Grün, geröllig und steil abfallend: So präsentiert sich die Landschaft unterhalb des Rothorn-Gipfels. Foto: Christian Häderli
Beim nicht minder schönen Abstieg führt der Weg am nordwestlichen Eingang des Schaflochs vorbei, einem öffentlich zugänglichen Stollen, der einst eine natürliche Eishöhle war und während des Zweiten Weltkriegs von der Schweizer Armee zu einer Festung ausgebaut wurde.



Rothorn Über die Sichle

Der Blick schweift über das Justistal: Aussicht von der Sichle, dem höchsten Punkt dieser Wanderung. Foto: Marco Zysset
Morgenstund hat Gold im Mund. Oder bleierne Füsse. Wer nach sechs Uhr in Thun den Bus in Richtung Merligen besteigt und beim «Beatus» die Wanderung in Richtung Justistal in Angriff nimmt, hat bald einen steilen Aufstieg vor sich – der aber dank lichter Bewaldung und gut ausgebauten Wegen trotzdem angenehm zu begehen ist.
Spätestens wenn der Spycherberg passiert ist und sich der Blick in das majestätische Justistal richtet, schlägt das Herz wieder ruhiger, und die Pulsfrequenz senkt sich auf das Niveau «entspannt geniessen».
Bis zum Aufstieg zur Sichle gehts nun gemütlich durchs Justistal nach hinten; zahlreiche Möglichkeiten zum Einkehren inklusive. Der Aufstieg zur ikonischen Sichle hat es noch einmal in sich, vor allem auf den letzten Metern vor dem Grat ist Trittsicherheit gefragt. Dafür wartet oben eine prächtige Aussicht in beide Richtungen.
Auch der erste Teil des Abstiegs bis zur Alp Schöriz will mit Bedacht begangen sein. Anschliessend gehts auf schönen und breiten Wegen durch wunderbare Hochmoorlandschaften talwärts der «Linde» in Eriz entgegen, wo wieder ein Bus in Richtung Thun fährt.
In dieser Richtung begangen, dauert die Wanderung rund 5 Stunden, der umgekehrte Weg ist etwas kürzer. (maz)
Anreise: Mit dem Bus ab Thun bis Merligen; Rückreise: Mit dem Bus ab Eriz, Säge nach Thun; Route: Merligen – Grönhütte – Justistal – Sichle – Ober Schöriz – Innereriz; Wanderzeit: 5 Std; Streckenlänge: 14,8 km; Höhendifferenz: 1130 m Aufstieg, 650 m Abstieg; Technik: mittel; Kondition: sportlich

Sulwald–Sulsseeli–Lobhornhütte

Sind auch von der Lobhornhütte aus gut zu sehen: Die markanten Felsformationen der Lobhörner. Foto: Jan Peter
Es mag, so rein verkehrstechnisch gesehen, bessere Ideen geben, als an einem sonnigen Spätsommertag in Richtung Lauterbrunnen zu fahren. Weil: Lauterbrunnen = lauter Autos. Wir biegen vor dem Sandweidli rechts ab, und nachdem wir einen Parkplatz gefunden haben, atmen wir durch – und frische Bergluft ein.
Die wunderbar nostalgisch anmutende Luftseilbahn bringt uns von der Isenfluh nach Sulwald: auf rund 1500 Meter über Meer. Was folgt, ist ein rund 90-minütiger Aufstieg.
Dabei steter Begleiter: das alles überragende Panorama. Besten Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau bietet die Wanderung; das entschädigt für die Tatsache, dass es im Grunde immer nur aufwärtsgeht.

Wie ein Instagram-Hotspot, nur weniger überlaufen: Das Sulsseeli unterhalb der Lobhornhütte. Foto: Adrian Horn
Bevor wir am Ziel angelangt sind, machen wir einen Halt am Sulsseeli, das vorab Einheimische Sulsseewli nennen. Wir wundern uns angesichts der Schönheit dieses Ortes, dass er nicht schon längst zu einem Instagram-Hotspot avanciert ist, und gehen noch mal ein paar Schritte.
In der bekannten, auf knapp 2000 Meter über Meer gelegenen Lobhornhütte kehren wir ein. An jenem Tag das Menü: Hamburger. Herrlich! (ahw)
Anreise: Mit dem Bus ab Lauterbrunnen bis Isenfluh, Dorf, dann Luftseilbahn nach Sulwald; Rückreise: Mit der Luftseilbahn ab Sulwald bis Isenenfluh, dann Bus nach Lauterbrunnen; Route: Sulwald – Stutz – Gruebi – Sulsseeli – Lobhornhütte – Gruebi – Stutz – Sulwald; Wanderzeit: 3 Std; Streckenlänge: 6 km; Höhendifferenz: 370 m Aufstieg, 370 m Abstieg; Technik: einfach; Kondition: mittel

Von der Lombachalp auf den Harder

Wo der Grat gerade mal so breit ist wie der Weg: Hier ist Trittsicherheit Trumpf. Links unten liegt der türkisblaue Brienzersee. Foto: Anna Tschannen
Wer eine wirklich spektakuläre Aussicht in alle Richtungen erleben will, der ist auf dem Hardergrat genau richtig. Allerdings: Wer Höhenangst hat, ist dort oben nicht am richtigen Ort. Und der Abstecher auf das Augstmatthorn ist zwar sicher sehr lohnenswert wegen der Steinbock-Kolonie, die dort oben lebt, aber wirklich nur erfahrenen Berggängern mit gutem Schuhwerk und Trittsicherheit zu empfehlen.
Start der etwa vierstündigen Wanderung ist die Lombachalp, gelegen in einer Moorlandschaft oberhalb von Habkern. Von dort gehts steil den Berg hinauf, teilweise über Stufen. Nach dreissig Minuten kommt der Abzweiger, der hinter dem Suggiture-Gipfel durch einige Höhenmeter einspart.
Nach einer knappen Stunde dann erreicht man den Grat, der gerade so schmal wie der Weg ist. Auf der einen Seite die Aussicht über den Brienzersee, die Faulhorn-Kette und dahinter das majestätische Jungfraumassiv.
Auf der anderen Seite erstrecken sich hinter der Lombachalp die Berner Voralpen und das Emmental. Nun schlängelt sich der Weg mal auf dem Grat, mal etwas unterhalb Richtung Harder.
Waldige Stücke wechseln sich mit Weiden ab, dazwischen blitzt immer wieder das intensive Grün des Brienzersees auf. Zum Schluss geht es einigermassen steil hinunter, dann erreicht man den Interlakner Hausberg, wo man sich die Rundumsicht auf Brienzer- und Thunersee mit vielen Ausflüglern teilt. (ats)
Anreise: Mit dem Bus ab Interlaken West via Habkern auf die Lombachalp Rückreise: Mit der Harderbahn nach Interlaken Ost; Route: Lombachalp – Fleschblatti – Schönbüel – Roteflue – Hüreli – Wannichnubel – Harderkulm; Wanderzeit: 4 Std; Streckenlänge: 9 km; Höhendifferenz: 600 m Aufstieg, 600 m Abstieg; Technik: schwer; Kondition: mittel

Kiental–Tschingelsee–Bärenpfad–Griesalp
Das Kiental ist bis jetzt um die ganz grossen Tourismusströme herumgekommen, deshalb: Psst, nicht weitersagen. Mit dem Postauto ab Reichenbach gelangt man ins Kiental. Dort startet die Wandertour und führt die Kiene entlang bis zum Tschingelsee.

Seit 1987 ist der Tschingelsee ein Naturschutzgebiet. Foto: Hans Heimann
Am Gewässer, das ein heftiges Gewitter im Jahr 1972 hinterlassen hat, gibt es eine offizielle Feuerstelle sowie für Hartgesottene die Möglichkeit, sich im Hinblick auf die Teilnahme am Thuner Chlouse-Schwümme abzukühlen.
Spektakulär: Die Griesschlucht oberhalb des Tschingelsees. Foto: Karin von Känel
Am anderen Ende des Sees beginnt dann die steilste Postauto-Strecke von Europa. Der Wanderweg führt nachbarschaftlich durch die imposante Griesschlucht hinauf. Unterwegs passiert man den tosenden Hexenkessel und den donnernden Pochtenfall. Wer sich nichts aus Wasser macht, nimmt etwas vorher den Abzweiger «Bärepfad».
Der Weg hat das gleiche Ziel, die Griesalp. Er ist aber körperlich anspruchsvoller, und vor allem hofft man bei der schweisstreibenden Anstrengung, dass der Namensgeber des Weges nicht unvermittelt auftaucht und einem zusätzlich Beine macht.

Mit einer Steigung von bis zu 28 Prozent ist die Strecke Griesalp-Tschingelsee die steilste Europas. Foto: Dres Hubacher
Auf der Griesalp oder kurz unterhalb auf der Pochtenalp gibt es wunderbare Ergänzungen für den mitgeschleppten Rucksackproviant, bevor uns das kleine Postauto über die spektakuläre Strecke zurück ins Kiental bringt. Die Wanderung ist knapp 8 Kilometer lang und dauert rund 2,5 Stunden. Wer auf der Griesalp startet, schafft sie in 2 Stunden. (rop)
Anreise: Mit dem Postauto ab Reichenbach bis Kiental, Dorf; Rückreise: Mit dem Postauto ab Griesalp bis Reichenbach; Route: Kiental – Tschingelsee – Griesschlucht – Pochtenalp – Griesalp; Wanderzeit: 2,5 Std; Streckenlänge: 8 km; Höhendifferenz: 531 m Aufstieg, 67 m Abstieg; Technik: einfach; Kondition: mittel

Der unbekannte Teil des Eigertrails

Blick über Grindelwald und seine Berge: Auf dieser Wanderung sind die Aussichten spektakulär und abwechslungsreich. Foto: Daniel Barben
Die Grindelwalder Gletscherschlucht lassen wir links liegen und starten von der Postauto-Station geradeaus in den Wald. Die Luft wird kühler, Moos schluckt die Geräusche, eine Auszeit von den lauten Hitzetagen.
Zwischen den Farnen entdecken wir Kunstwerke aus Ästen und Steinen, gebaut nur für einen Sommer. Schon geht es zünftig hinauf, vorbei an Aussichtspunkten mit Blick über Grindelwald und seine Berge.
Der Weg führt hinein ins Tal der Lütschine, wo geschliffene Steine davon zeugen, dass hier einst auch der untere Grindelwaldgletscher vorbeizog. Selten geht es in der Nähe des Abgrunds vorbei. Jedoch braucht es mehr Mut, weiter oben an einer Herde Lamas vorbeizugehen, die beharrlich auf dem Wanderweg steht.
Knorzige Bäume, mit Moos bewachsener Boden: Hier lässt es sich vorzüglich durchatmen. Foto: Daniel Barben
Die Bäume werden knorziger, bald taucht der Eiger auf. In einem Lawinengraben liegt selbst mitten im Sommer noch Schnee. Bald erreichen wir den berühmten Teil des Eiger-Trails, wo man sich gerade an schönen Tagen in die Reihen der Wanderer einfädeln muss.
Wer mag oder eben nicht mehr mag, kann hier nach Alpiglen abzweigen und mit der Zahnradbahn zurück nach Grindelwald fahren. Aber dann verpasst man den imposanten Blick vom Fuss der Eigernordwand hinauf zu den Fenstern der Station Eigerwand bis hoch zur Weissen Spinne. ei deren Anblick verliert das irdische Gewusel an Bedeutung. Über ein letztes Geröllfeld geht es zum Eigergletscher, von wo uns der Eiger-Express zurück nach Grindelwald bringt.
Anreise: Mit dem Bus ab Grindelwald bis Grindelwald, Gletscherschlucht; Rückreise: Mit der Gondelbahn Eiger Express ab Eigergletscher; Route: Grindelwald Gletscherschlucht – Boneren – Spitzbühl – Wart – Eigergletscher; Wanderzeit: 4,5 Std; Streckenlänge: 11,7 km; Höhendifferenz: 1581 m Aufstieg, 463 m Abstieg; Technik: mittel; Kondition: sportlich

Auf den Niesen

Blick auf den Niesen – und das Nebelmeer über dem Thuner- und dem Brienzersee. Foto: Bruno Petroni
Die «Pyramide am Thunersee» nennt ihn die Werbung. Und dieser Bezeichnung wird der Niesen ja zweifellos gerecht. Neben der Möglichkeit, sich gemütlich per Bahn ganz nach oben zur Spitze bringen zu lassen, lässt sich der Berg aber auch zu Fuss erklimmen – und zwar nicht «nur» auf den verschieden langen und schwierigen Routen ab der Mittelstation Schwandegg, sondern auch von ganz unten her. Ab dem Talboden in Mülenen gilt es, nahrhafte 1670 Höhenmeter zu überwinden.
Immerhin: Die ersten rund zwei Drittel des Wegs führen meist durch Waldstücke, was gerade bei etwas wärmeren Temperaturen für angenehme Kühlung sorgt. Ins Schwitzen gerät man freilich dennoch.
Wo sich das Geäst hin und wieder lichtet, eröffnen sich bald einmal prächtige Ausblicke zurück ins Kandertal oder gar hinüber ins Justistal auf der anderen Seite des Thunersees – zusammen mit der Ruhe und Idylle eine lohnenswerte Erfahrung.
Ganz oben bedarf es nochmals eines Kraftakts: Der Weg schlängelt sich dem lange Zeit sichtbaren Berghaus entgegen, dann aber bereits ohne schattenspendende Bäume. Die Aussicht auf Thunersee, Alpen, Aare- und Gürbetal ist letztlich die verdiente Belohnung für die Mühen. (gbs)
Anreise: Mit dem Zug bis Mülenen; Rückreise: Mit der Niesenbahn ab Niesen Bergstation bis Mülenen; Route: Mülenen – Haslereweid – Schwandegg – Niesen Kulm; Wanderzeit: 5 Std; Streckenlänge: 7,7 km; Höhendifferenz: 1’670 m Aufstieg, 0 m Abstieg; Technik: mittel; Kondition: sportlich

